mit dem Boot durch die Gärten

Therese, die wir hier in Mexiko kennenlernten, kommt aus Deutschland und macht, sowie wir, ihr Auslandssemester in Mexiko City. Sie studiert Kunst und war bereits im letzten Semester für ihr Praktikum hier.
Ihr Freund ist Mexikaner und ebenfalls Kunststudent. Er ist Teil eines Künstlerkollektivs und lud uns ein an einer Bootstour, die durch das Kollektiv organisiert wurde, teilzunehmen.

Das ließen wir uns natürlich nicht zweimal sagen und machten uns am Sonntagmorgen, eingecremt, mit gefüllten Wasserflaschen und Sonnenhüten auf den Weg nach Xochimilco.
Xochimilco ist bekannt für seine „schwimmenden Gärten“ und ist auch der einzig natürliche Lebensraum von Axolotl. Ich habe aber keins gesehen.

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Wir fuhren mit einer kleinen Gruppe von Leuten (alles Designer, Künstler oder Forscher) los und verbrachten den ganzen Nachmittag auf den Kanälen von Xochimilco.
Wir machten unterwegs ein paar mal halt und sprachen über die Projekte jedes einzelnen und hatten ein tolles Mittagessen auf dem Wasser, zu dem jeder etwas beisteuerte.

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Bei einem kleinen Landgang in einen der Gärten, die Chinampa genannte werden, wurde erklärt, dass es wichtig ist, diese Kultur der Gärten zu erhalten und das Wissen über das Anlegen der Gärten weitergegeben werden muss.

Der Markt wird mittlerweile von der Massenproduktion beherrscht und es ist schwer junge Leute dafür zu sensibilisieren, diese Gärten anzulegen und die Tradition zu pflegen.
In Deutschland ist die Bewegung der Menschen, die die Verantwortung für die Erde übernehmen und auf eigene Pflanzen oder Bio umsteigen, viel größer als hier in Mexiko. Hier ist es nur ein kleiner Teil, der sich darüber im klaren ist, dass das Wissen und die Verantwortung der Tradition und Erhaltung weiter gegeben werden muss. Das soll sich ändern.

Als wir dann wieder an Land waren, gingen wir in unserer Gruppe noch Richtung Stadt und sahen einen bunten und lauten Umzug durch die Straßen gehen.

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Therese erzählte uns schon am morgen davon, dass jeden Abend ein Umzug in Xochimilco stattfindet. Es wird dabei eine Holzpuppe geehrt und gezeigt, die jedoch mit Schirmen von der Sonne geschützt wird. Diese Puppe ist aus Orangenbaumholz gefertigt und heißt „Niñopa“, sie ist das heiligste von Xochimilco. Die Menschen dürfen seine Kleidung küssen, ihn selbst aber nicht, da die Angst das er kaputt gehen könnte zu groß ist.

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→unter dem blauen Sonnenschirm könnt ihr Niñopa sehen

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Niñopa wechselt Jährlich seine Familie und es gibt Wartelisten von bis zu 50 Jahren, in die sich die Familien eintragen, die Niñopa für ein Jahr adoptieren und aufnehmen möchten.
Die Familie die Niñopa hat, baut für ihn ein eigenes Haus mit 3 Zimmern. Ganz schön kostspielig dieser Glaube.
Für uns absolut absurd, dass eine Puppe aus Orangenbaumholz durch die Straße getragen wird und jeden Abend für ihn ein Fest stattfindet.

Funfact: Niñopa besitzt soviel Kleidung und Spielzeug, dass bei seinem jährlichen Umzug 3 LKW’s benötigt werden, um diese zu transportieren.

Es war ein wunderbarer Ausflug, mit tollen Menschen und einer großen Ladung Natur.

Liebst, Anne ♥

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Urban Gardening in Tlatelolco

Auf dem Flug nach Mexico las ich im Lufthansamagazin etwas über Gärten in Mexico City. Unter anderem wurde dort ein Urban Gardening Projekt vorgestellt, bei dem freiwillige helfen den Garten zu bepflanzen und Kurse für Kinder gegeben werden.

Ich habe mir natürlich nicht aufgeschrieben, wie dieser Garten hieß, der mich besonders interessierte. Aus dem Kopf ging er mir trotzdem nicht und deshalb durchforstete ich das Internet und da Lufthansa auch an Leute denkt, die sich interessante Dinge nicht aufschreiben, fand ich den Artikel in voller Länge auf der Internetseite des Lufthansamagazins – yeah!

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Wir waren also nur noch eine kurze Fahrt mit der Metro entfernt und schon standen wir mitten in Tlatelolco.
Man muss dazu sagen, dass wir in diesem Viertel die einzigen Touristen waren. Es ist für Pauschaltouristen, die das Touri-Mexiko sehen wollen, wahrscheinlich einfach nicht attraktiv genug gestaltet. Für uns grade perfekt, weil diese Orte um einiges spannender sind. 😉

Wir spazierten ungefähr 20 Minuten an einer viel befahrenen Straße, vorbei an heruntergekommenen Hochhäusern, Streetfoodständen und einer absoluten Luxux-Hochglanz-Polizei Station.

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Und dann standen wir vor dem großen Schild „Huerto Tlatelolco“, ich traute mich erst nicht die Frau hinter dem Zaun anzusprechen, ob wir rein kommen durften. Als sie uns sah, kam sie jedoch näher und ich konnte ganz mutig auf spanisch fragen, ob wir den Garten besuchen können.
Sie öffnete die Tür und wir standen im Paradies zwischen lautem Großstadttrubel.

Der Garten strahlte vor lauter Zitronenfaltern und Bienen, der Duft von frischem Lavendel streifte meine Nase.
Wow!
So etwas hab ich echt noch nie gesehen. Eben noch vorbei an Schrott und Müll und schon stehen wir an einem der schönsten und bestriechensten Orte.

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Als wir da so völlig überwältigt standen begrüßte uns ein junger Mann, der in dem Garten arbeitet. Er sprach deutsch, da er ein Auslandssemester in Deutschland gemacht hatte, das einzige was er nicht auf Deutsch benennen konnte waren die Pflanzen. Er nahm sich Zeit, führte uns ein wenig herum und erklärte uns was hinter dem Konzept des Gartens steckt.
Man kann dort freiwillig helfen zu pflanzen, zu pflegen und auch ernten. Man bezahlt nur für das, was man geerntet hat und unterstützt so das Gartenprojekt. Auch naheliegende Restaurants kaufen die Ernte des Gartens und holen diese dann mit UBER ab, erzählt er.

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Ich finde das Konzept ziemlich beeindruckend, was auch an der sehr offenen und begeisterten erzählung des Jungen Mannes lag. Man hat sofort gemerkt, dass was er dort macht, macht er mit vollem Herzblut. Als er uns dann 2 Bananen, eine Tomate und eine kleine, krumme Gurke schenkte, umarmte ich ihn vor lauter Dankbarkeit. (Das sollte man meiner Meinung nach sowieso viel häufiger tun!;))Er sprach so offen über das Projekt und war dankbar für unser großes Interesse.

Wir standen nun also vor einer Bananenpflanze und aßen ihre Früchte. Irre, Leute wirklich Irre.
Ich glaube, dass ich in meinem Leben noch nie eine Banane gegessen habe, die so doll nach Banane geschmeckt hat. Fast traurig, dass ich dafür 24 Jahre alt werde musste..
Wir waren so überwältigt und froh darüber, dass es Menschen gibt, denen die Umwelt so doll am Herzen liegt, dass wir etwas Geld spendeten um den Garten zu unterstützen. (Der Garten ist auf Spenden und Sponsoren angewiesen um überleben zu können.)

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Es ist so wichtig, das nochmehr Leute von diesem Projekt und dem Garten in Tlatelolco erfahren, ihm einen Besuch abstatten und am besten selbst dort mitarbeiten oder einen eigenen Garten dieser Art eröffnen.

Also Leute, falls ihr in Mexiko City seid, ihr müsst da hin.
Es ist die reinste Oase!

Die Adresse des Gartens:
Paseo de la Reforma 742,
Tlatelolco, Cuauhtemoc,
06200 Ciudad de México, CDMX

Liebst, Anne ♥

Anmerkung: Alle Fotos wurden mit meinem Iphone 6 aufgenommen.